Botschafter des Wohlgeschmacks

Petra Decker-Schleker und ihr Sohn Philipp vertreten auf der Wirtschaftsschau in Aachen Produkte aus der heimischen Landwirtschaft

VON UNSEREM MITARBEITER CHRISTOPH HAHN

ARNOLDSWEILER/AACHEN. Petra Decker-Schleker ist eine Frau, von der Beharrlichkeit und eine stille Kraft ausgehen. Vor allem aber ist sie jemand, der etwas zu verkaufen hat - und doch keinen einzigen Euro einstreicht. Das mutet paradox an, haben die Arnoldsweilerin und ihr Sohn Philipp in Halle 1 der Euregio-Wirtschaftsschau auf dem Bendplatz in Aachen doch eine Theke mit Vitrine, eine Waage und andere Dinge mehr, die zu einem Laden gehören, aufgestellt.

Probieren erwünscht

Für Genießer sind ihre Offerten die reinste Qual, denn von allen Leckereien - egal, ob es um Johannisbeersekt, Apfelsaft, Salami oder andere Köstlichkeiten geht - dürfen sie hier nur probieren, aber nicht ein Fitzelchen mit nach Hause nehmen. Denn die Inhaberin eines Hofladens an der Trierer Straße in ihrem Heimatort ist nicht in die Kaiserstadt gekommen, um dort gute Umsätze zu machen und die eigene Kasse bis zum Rand zu füllen - zumal das in Halle 1 nicht erlaubt ist. Petra Decker-Schleker und Philipp sind Botschafter - für die Organisationen „Regiomarché" und „IG Regionale Produkte", die sich für Orts- und Natur-nahe landwirtschaftliche Waren von Anbietern aus den Kreisen Düren, Euskirchen, Heinsberg und Aachen sowie aus den grenznahen Gebieten Belgiens und der Niederlande stark machen. Viele Städter wissen es längst: Beim Bauern im Hofladen gibt es Schmeckleckereien, die nichts mit der Industrieware aus dem Supermarkt und deren einförmigem Geschmack zu tun haben - ob sie nun mit einem Bio-Siegel wie dem des Demeter-Verbandes ausgestattet sind oder nicht.

Manche der Betriebe, die unter dem Dach von „Regiomarché" und „Regionale Produkte" zusammen arbeiten, tragen durchaus ein solches Label. Doch das braucht kein Landwirt, um von dem Duo aus Arnoldsweiler den vielen Besuchern der Verbrauchermesse in Aachen offeriert zu werden. Regional muß es sein - und lecker. Den Rest erledigen Petra und Philipp Decker-Schleker mit Charme und rhetorischem Geschick fern jeder Aufdringlichkeit - mit Diplomatie halt, die ganz im Dienst dessen steht, was die heimische Scholle hervor bringt.

Mit Diplomatie

Kleine Betriebe, die nur kleine Mengen herstellen, sind es, deren Ware Petra und Philipp Decker-Schleker den vorbei strömenden Messe-Besuchern schmackhaft machen. Denen, die nach der Kostprobe im wahrsten Sinne des Wortes angebissen haben, geben sie eine Broschüre von „Regiomarché", die genauestens - mit Adresse, Telefonnummer, Mail-Adresse und Details zum Angebot - die Hof- und Fabrikläden der angeschlossenen Hersteller auflistet. Zudem weist das Mutter-Sohn­Team die Gäste an seinem Stand darauf hin, dass sie zumindestens zwei Kennzeichen von den Herstellern der Waren in den Supermärkten unterscheiden. Erstens sind sie gar nicht in der Lage und außerdem nicht gewillt, massenweise wie von den Discounter-Ketten verlangt Würste, Käse oder Kartoffeln anzubieten. Überdies setzen die Decker-Schlekers und ihre Mitstreiter auf den direkten Kontakt zwischen Kunde und Anbieter. Das ist ihnen wichtig und darum sind Petra und Philipp aus Arnoldsweiler mit dem ihnen eigenen Mix aus Einsatz und Diplomatie auf der Wirtschaftsschau in Aachen mit dabei.

Mehr dazu im Internet:

www.regiomarche.net

www.euregio-wirtschaftsschau.de

In ihrem Laden gibt es nichts zu kaufen, aber vieles zu probieren: Petra und Philipp Decker-Schleker aus Arnoldsweiler vertreten auf der Euregio-Wirtschaftsschau die Verbände „Regiomarché" und „IG Regionale Produkte".

Foto: Christoph Hahn

Zitiert aus: Dürener Zeitung, Lokalteil, 15.03.2006